Hefte zur Medienkulturforschung (HMKF)

Die Hefte zur Medienkulturforschung (HMKF) sind eine eigenständige Reihe/Zeitschrift (ISSN:  2197-0254), die vor allem für längere Aufsätze oder zur thematischen Zusammenstellung von zwei oder drei Beiträgen zu einer kleinen Monographie im Umfang zwischen 24 und 84 Seiten geeignet ist. Die Beiträge für die Hefte müssen zunächst eine Peer Review durchlaufen und werden im Anschluss print-on-demand publiziert; sie erhalten eine eigene ISBN und werden in den üblichen Buchhandelssystemen gelistet; zudem können die Hefte auf Vorschlag der Redaktion auch parallel (sonst nach zwei Jahren) zur Print-Ausgabe online im Repositorium publiziert werden. Bisher erschienen:

 

Sabrina Hambloch (2017):
Une certaine tendance brechtienne. Brechts Einfluss auf Theoriebildung und Praxis der Nouvelle Vague

Band 17 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
132 Seiten, ?? EUR, ISBN 978-3-86938-085-8, ISSN 2197-0254

Das Jahr 1954 markiert in der Filmgeschichte einen Wendepunkt. Der revolutionäre Artikel „Une certaine tendance du cinéma français“ von François Truffaut erschien in der Zeitschrift Cahiers du cinéma. Er brach darin mit den bisherigen Vorstellungen des Kinos und erhob den Film zur 7ième Art. Im gleichen Jahr stellte Brechts Berliner Ensemble die Pariser Theaterwelt auf den Kopf. Die Aufführung der Mutter Courage war in aller Munde. Sechs Jahre später beginnt sich die Nouvelle Vague, die Neue Welle, zu brechen. In Brecht findet die junge Filmbewegung das theoretische Fundament ihrer neuen Kunst. Sabrina Hambloch analysiert erstmals die bislang nicht ins Deutsche übersetzte Brecht-Sondernummer 114 der Cahiers du cinéma aus dem Jahr 1960, die zum Ausgangspunkt für eine revolutionäre Kinokunst und den damaligen Autorenfilm wurde.


Thomas Weber (2016):
Der Normalfall des Fernsehens. Das Reality-TV als kommunikative Figuration

Band 16 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
36 Seiten, 8.00 EUR, ISBN 978-3-86938-084-1, ISSN 2197-0254

Das Reality TV ist Teil einer neuen Fernsehkultur, deren Dynamik sich nur erfassen lässt, wenn man das Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Faktoren (ästhetische Eigendynamik, ökonomische Interessen, institutionelle Rahmenbedingungen, technische Möglichkeiten etc.) berücksichtigt. Der vorliegende Beitrag untersucht das Wechselspiel von ästhetischen Strukturen und sozialen Funktionen des Reality TV und fragt, ob der „Normalismus“ des Fernsehens allein auf den im Fernsehen geäußerten Ansichten basiert oder ob auch die ästhetischen Strukturen bzw. strukturellen Rahmenbedingungen zu einer Normalisierung beitragen. In Anlehnung an Norbert Elias’ Begriff der sozialen Figuration wird der Begriff der „kommunikativen Figuration“ vorgeschlagen und zur Analyse der Dramaturgie der Reality-TV-Formate eingesetzt. Dabei werden die spezifischen Merkmale des Reality TV als kommunikative Figuration paradigmatisch herausgestellt.


Thomas Elsaesser (2016):
Cinema as Experience and Event

Band 15 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
36 Seiten, 8.00 EUR, ISBN 978-3-86938-083-4, ISSN 2197-0254

Our concern with the space of experience in cinema is symptomatic of the changes cinema has undergone in the past thirty years. In film studies it points to a bifurcation of interest: For much of the 1950s and 60s, the focus has been on the makers – the directors as auteurs and artists; but since the 1970s more emphasis has been laid on audiences, reception and the physical spaces of cinema experience. But even within this shift to audiences, there are differences of emphasis: between “film” and “cinema”, between “ocular vision” and “embodied vision”, between “sight” in the cinema and its “sound-scape and sound spaces”, between the “visible” and the “invisible”, or as I would summarize this in-between-ness of cinema: between film as “text and narrative” and cinema as “event and experience”.


Hans J. Wulff (2016):
Von Giften und vom Vergiften. Zu einer Narratologie der Giftmorde im Film

Band 14 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12.00 EUR, ISBN 978-3-86938-082-7, ISSN 2197-0254

Der Giftmord weist kulturgeschichtlich bis in die Antike zurück, zunächst als ein ruchloses Mittel, politische Gegner aus dem Weg zu räumen. Erst in der Neuzeit häufen sich Geschichten, die sich zu einer ganzen formula von Geschichten über das Gift als ein Mittel verdichten, mit dem man in soziale Strukturen eingreifen kann, um Gewaltbeziehungen zu beenden, Erbfolgen zu manipulieren oder in den materiellen Besitz der Opfer zu gelangen. Oft ist ein privates Motiv der Befreiung oder der Bereicherung im Spiel. Und immer geht es darum, die Tat zu verschleiern oder vor den Augen der anderen zum Verschwinden zu bringen. Der Giftmord wird so zum Element einer „naiven“ Kriminologie der Privatperson.


Sven Grampp (2016):
Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter. Die erste bemannte Mondlandung im deutschen Fernsehen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs

Band 13 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
96 Seiten, 16.00 EUR, ISBN 978-3-86938-081-0, ISSN 2197-0254

Sven Grampp untersucht die Berichterstattung über die erste bemannte Mondlandung im west- und ostdeutschen Fernsehen. Ausgehend von der binären geopolitischen Logik des Kalten Krieges etablierten sich diesseits wie jenseits des Eisernen Vorhangs rekursive Beobachtungsschleifen als dominanter Darstellungsmodus in den Medien. Gerade in der Berichterstattung über die erste bemannte Mondlandung im west- und ostdeutschen Fernsehen wird deutlich, wie variationsreich die Beobachtungen von Beobachtern auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs tatsächlich waren. Es wurde damals nicht zuletzt ein Darstellungsmodus eingeübt, der für die heutige global vernetzte Medienkultur selbstverständlich geworden ist.


Vanessa Aab (2015):
Das Bildpotential im Zeitalter des digitalen Hybridfilms. Die Mise en images im Wandel der Technologie am Beispiel des Stilmittels der Plansequenz in Victoria und Birdman

Band 12 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
52 Seiten, 10,00 EUR, ISBN 978-3-86938-077-3, ISSN 2197-0254.

Karl Prümm forderte 2004 einen Paradigmenwechsel in der Fokussierung der Filmwissenschaftler, die klassisch auf der Mise en scène lag und stattdessen auf die „Mise en images“ gelenkt werden sollte. Dieser Forderung liegt die Überzeugung zugrunde, dass die Kamera jene Instanz sei, der die Ästhetik des Films wesentlich entstammt. Die Aktualität dieses Gedankens zeigt sich heute in der Problematisierung des Medienwechsels von klassischer Kinematographie zum digitalen Filmbild, welches die Kamera als alleinigen Bildproduzenten durch teilweise computergenerierte Bilder abgelöst hat. Anhand der Analyse zweier Spielfilme, deren Ästhetik sich an der ambivalenten Schnittstelle von klassischer und digitaler Bildgestaltung bewegt, soll das Konzept einer fotografischen Filmanalyse aktualisiert werden.


Michaela Ott (2015):
Affektionsbilder: ihre transkulturelle Migration

Band 11 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 978-3-86938-078-0, ISSN 2197-0254.

Das Affektionsbild, ein Begriff aus Deleuzes Filmphilosophie, wird hier in seiner Entwicklung zum expressiven Ausdruck der modernen Malerei nachgezeichnet, die erst dank der Inspiration durch nicht-westliche, aber nicht anerkannte künstlerische Artikulationsweisen zu ihrem rein flächigen und abstrakten „Wesen“ gelangt. Afroamerikanische und afrikanische Gemälde und Filme verdeutlichen die ideologische Gewalt, die diesen forcierten „Reinigungsprozess“ vorantreibt, zeigen heute das Verdrängte und kulturelle Bedingte dieser modernen künstlerischen Farb- und Formgebung an und kodieren sie ansatzweise um.


Brian Winston (2015):
“Ça va de soi”. Die visuelle Repräsentation von Gewalt im Holocaust-Film

Band 10 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 978-3-86938-079-7, ISSN 2197-0254.

Brian Winston greift die Debatte um die Nicht-Darstellbarkeit der Gewalt des Holocausts auf und weist darauf hin, dass vor jeder moralischen Überlegung zunächst einmal die fast vollständige Abwesenheit von audiovisuellen Zeugnissen konstatiert werden muss. Wie kann der Dokumentarfilm dennoch ein Bild des Grauens zeigen? In Referenz auf den Verfremdungseffekt („ostranenie“) analysiert er den Korpus der seit dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Dokumentarfilme (darunter Resnais’ „Nuit et Brouillard“ und Lanzmanns „Shoah“) und argumentiert für den Animationsfilm als eine mögliche Lösung des dokumentarischen Repräsentationsdilemmas.


Alexander Karl (2015):
Mashup TV: Vermischungsprozesse in US-amerikanischen TV-Serien am Beispiel von Glee

Band 9 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
120 Seiten, 18,00 EUR, ISBN 978-3-86938-072-8, ISSN 2197-0254.

Die Digitalisierung und zeitgenössische TV-Serien beschäftigen derzeit gleichermaßen die Wissenschaft, die Feuilletons und die medieninteressierte Bevölkerung. Doch zu selten werden die gegenseitigen Beeinflussungen hinterfragt. Gerade in Bezug auf Vermischungsprozesse, zu denen das Internet-Phänomen des Mashups zählt, lassen sich Parallelen zu aktuellen TV-Serien erkennen: Auch dort werden Genre, Narration, Textualität und Musik vermischt, was sich besonders prägnant an der US-amerikanischen Fernsehserie Glee zeigen lässt. Das vorliegende Buch weist Forschungsperspektiven auf, wie Internet und Fernsehen zusammen gedacht werden können.


Sven Grampp (2014):
Picture Space Race. Zukunftsvisionen in Ost und West am Beispiel von Disneys Tomorrowland (USA 1955-1956) und Der Weg zu den Sternen (UdSSR 1957)

Band 8 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
52 Seiten, 10,00 EUR, ISBN 978-3-86938-067-4, ISSN 2197-0254.

„Space Race“ bezeichnet den Wettlauf der beiden Supermächte während des Kalten Krieges, die USA und die ehemalige UdSSR, um die Vorherrschaft im Weltall. Dieser Wettlauf wurde in den in den 1950er und 1960er Jahren geführt und kulminierte in der Frage welche Nation imstande sein würde, die erste bemannte Mission zum Mond zu entsenden. Der Medienwissenschaftler Sven Grampp betrachtet das „Space Race“ jedoch nicht anhand von Bildern bereits stattgefundener oder gerade stattfindender Weltraummissionen, sondern widmet sich den expliziten „Zukunftsvisionen“ die während des Wettlaufs zum Mond in Umlauf gebracht wurden. In seiner Analyse betrachtet er die Form der Zukunftsinszenierungen in Ost und West anhand von zwei Beispiele: Walt Disneys Tomorrowland (USA 1955–1956) und Der Weg zu den Sternen (UdSSR 1957).


Sven Grampp (2014):
Das Medium des neuzeitlichen Lichts. Gutenberg und die Lichtsymbolik

Band 7 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung. 52 Seiten, 10,00 EUR, ISBN 978-3-86938-064-3, ISSN 2197-0254.

Johannes Gutenberg war und ist eine äußerst populäre Figur gesellschaftlicher Selbstverortung. Kaum eine erfinderische Leistung ist in der Neuzeit über einen so langen Zeitraum mit gleicher Regelmäßigkeit und Begeisterung gefeiert worden wie die Gutenberg zugeschriebene Erfindung der Druckerpresse mit beweglichen Lettern. Die symbolische Besetzung Gutenbergs bezieht sich dabei auffallend häufig auf die Idee des Lichts. Immer wieder und in unterschiedlichsten Kontexten tritt Gutenberg als Lichtbringer und -bote in Erscheinung, wobei mit vollen Händen aus den Traditionsbeständen christlicher und aufklärerischer Symbolik geschöpft wird. Sven Grampp geht der kulturgeschichtlichen Ausprägung der Lichtsymbolik nach und zeichnet mit Gutenberg ein Beispiel im Umgang mit medialen Transformationen.


Markus Müller (2014):
Die gewandelte Rolle des Journalismus im Web 2.0

Band 6 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 978-3-86938-066-7, ISSN 2197-0254.

Computer und Internet haben unser Leben in nur wenigen Jahren erheblich verändert. Davon ist ganz besonders der Journalismus betroffen. Diese Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Frage, ob uns der Journalismus in seiner klassischen Form in Zukunft überhaupt noch begegnen wird, oder ob sich seine Ziele bzw. Standards radikal verändern. Kann sich die Produktion von Nachrichten zu einem kollektiven Ereignis entwickeln?


Petra Missomelius (2014):
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit in Neurowissenschaftlichen Bildern

Band 5 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
36 Seiten, 8,00 EUR, ISBN 978-3-86938-063-6, ISSN 2197-0254.

Inwiefern sind die so genannten Hirnbilder naturwissenschaftlichen Entstehungshintergrunds geeignet, uns Auskunft über das zeitgenössische Selbstverständnis des Menschen zu geben? Die alltägliche Omnipräsenz der Hirnbilder legt ein (nicht gänzlich neues) Menschen- und Weltbild nahe, welches von Machbarkeit, Optimierung und Technikhoffnung, um nur einige Aspekte zu nennen, geprägt ist und berührt damit den Kern der Philosophie, das Denken an sich, indem es letztlich, so die zugrunde liegende These der folgenden Ausführungen, um die Dynamik zwischen Technologieentwicklungen und in deren imaginierte Anwendungskontexte eingeschriebene Sehnsüchte nach Transzendenz geht.


Kent D. Lerch (2014):
Das Gesetz des Buches und die Medien des Rechts: Mediologie in der Jurisprudenz

Band 4 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
36 Seiten, 8,00 EUR, ISBN 978-3-86938-058-2, ISSN 2197-0254.

Der medial turn hat längst die Geistes- und Sozialwissenschaften erfasst: Alle Disziplinen sind im Begriff, sich mit dem Instrumentarium der Medientheorie als der „diensthabenden Fundamentaltheorie“ (Jochen Hörisch) vertraut zu machen. Alle Disziplinen? Nein – nicht alle. Die Rechtswissenschaft hat von der Medientheorie bisher nicht sonderlich Kenntnis genommen. Medien kommen im Recht allenfalls als Gegenstand des Medienrechts vor. Die Aufmerksamkeit, welche die Kulturwissenschaft den Medien gewidmet hat, kann der Jurist nur schwer nachvollziehen – und warum auch: denn Radio, Film und Fernsehen spielen für das Recht und im Recht keine große Rolle. Kent D. Lerch betrachtet die Jurisprudenz hier einmal von der mediologischen Seite und öffnet damit den Blick über den Buchdeckel des klassischen Gesetzbuches hinaus.


Christian Hißnauer (2014):
„Vergangenheitsbewältigung“ im Tatort? NS-Bezüge in der ARD-Krimireihe

Band 3 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
100 Seiten, 16,00 EUR, ISBN 978-3-86938-055-1, ISSN 2197-0254.

Die ARD-Krimireihe Tatort (seit 1970) ist dafür bekannt, gesellschaftlich relevante Fragen und Probleme im Rahmen eines Krimiplots zu verhandeln – auch wenn sich diese Themenorientierung erst während seiner langen Laufzeit herausgebildet hat. Der Beitrag geht der Frage nach, wie der Tatort mit dem wichtigsten vergangenheitspolitischen Thema der Bundesrepublik – der NS-Geschichte – umgeht.


Sven Grampp und Jens Ruchatz (2014):
Die Enden der Fernsehserien

Band 2 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 978-3-86938-052-0, ISSN 2197-0254.

Vorliegender Text leistet erstens einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie sich das Fernsehen selbst versteht, indem beobachtet wird, in welchen Formen das Fernsehen das intrikate Verhältnis von Endlosigkeit und Endlichkeit – als Kern der eigenen Medialität – in Szene setzt. Vom Ende her über das Fernsehen nachzudenken ist zweitens deshalb geboten, weil es im Gegensatz beispielsweise zum Ende von Spielfilmen oder Romanen bisher zu selten geleistet wurde. Drittens soll der gängigen Mediendifferenzierung widersprochen werden, die das Fernsehen im Vergleich zum auf das Ende gepolten Film als Endlosmedium defi niert, dessen einzelnen Segmente allenfalls aufhören, in dem aber „fast nichts endet“ (Lorenz Engell). In vorliegendem Text wird hingegen argumentiert: Zumindest Fernsehserien denken permanent über ihr Ende nach – und zwar gerade, weil sie auf Endlosigkeit angelegt sind.


Christian Filk und Jens Ruchatz (2013):
“Der Kino ist eben in erster Linie für die modernen Menschen da” – Die kulturwissenschaftliche Entdeckung des Filmpublikums im Industriezeitalter durch Emilie Altenlohs Mediensoziologie

Band 1 der Reihe Hefte zur Medienkulturforschung.
64 Seiten, 12,00 EUR, ISBN 978-3-86938-057-5, ISSN 2197-0254.

In ihrer über Jahrzehnte sträflich ignorierten Dissertation „Zur Soziologie des Kino“ aus dem Jahr 1914 gibt Emilie Altenloh eine erste umfassende Beschreibung der zeitgenössischen Filmproduktion, -Distribution und Konsumption. Die Schülerin von Alfred Weber verortet das neue Medium funktional in der modernen Kultur der Industriegesellschaft. Die Altenloh-Rezeption hat bis dato schlechterdings nicht die dezidiert übergreifende Argumentationsstrategie dieser film- und mediensoziologischen Grundlagenschrift avant la lettre erkannt. In Anbetracht dessen nehmen Christian Filk und Jens Ruchatz eine medienwissenschaftliche und wissenschaftshistorische Re-Lektüre von „Zur Soziologie des Kino“ vor. Dabei würdigen sie die besondere wissenschaftliche Leistung Altenlohs, die als erste die Potenz und Funktion der damals neuen Unterhaltungsformen des Kinos – produktions- und konsumptionsüberschreitend als Phänomen gesellschaftlicher Interaktion – analysiert und interpretierte.